Ein selten gewordener Samen ist gesät, Berlin bekommt eine neue Fensterrose. Falls Sie jetzt an die atemberaubenden runden Buntglasfenster französischer Kathedralen aus dem 13. Jahrhundert denken, nun ja, Pankow ist nicht Paris.
An das Rosettenfenster über dem Eingangsportal der neogotischen Backsteinkirche St. Georg in Berlin-Pankow erinnert schon nach 81 Jahren nur noch ein altes Foto, auf dem nicht einmal das Bildmotiv erkennbar ist. Und doch ist der Kriegsverlust bis heute präsent und der Platz oberhalb der Orgel unangenehm leer geblieben. Dank des Engagements des St. Georgs-Vereins, besonders von Bernhard Weickmann und Stefan Fittkau vom Kirchenvorstand könnte das 1945 zerstörte und später verschlossene Fenster nun bis Ende 2026 wieder geöffnet und zu neuem Leben erweckt werden.
Nachdem erste Entwürfe einer lokalen Kunstglaserei den Anforderungen der Kunstkommission des Erzbistums nicht genügten, erwuchs aus anfänglicher Enttäuschung eine Chance. Im Aufreißen alter Wunden lag auch die Möglichkeit, Erinnerungskultur neu fortzuschreiben und über ein „schönes Fenster“ und denkmalgerechte Reparaturen hinaus zu denken. Mit Unterstützung des Erzbistums und der Architektin Uta Zerjeski wurde ein Wettbewerb für zeitgenössischen Glasgestaltung ausgelobt. Eingeladen waren Andreas Wolff und Christiane Mergner aus Berlin, David Schnell und Dana Meyer aus Leipzig sowie Lea Dievenow, aus Vlotho (Ostwestfalen).
Entsprechend erwartungsvoll trat am 10. Juli 2026 das Preisgericht aus Fachkundigen und Gemeindemitgliedern zusammen. Aus 5 Einsendungen mit ganz unterschiedlichen künstlerischen Handschriften galt es den Entwurf auszuwählen, der am besten zum Kirchbau und zur Gemeinde passt.
Nach mehreren Stunden intensiver Prüfung und konstruktiver Abwägung empfahl die Jury einstimmig den Entwurf „Lichtgestalt-Zeichen des Lichts“ von LEA DIEVENOW zur Weiterbearbeitung. Frische und Vielschichtigkeit des aus 3 korrespondierenden Glasebenen zusammengesetzten Werks versprechen neue Perspektiven und ein würdiges Pendant für das Georgsfenster über dem Altar und die Mosaike über dem Eingangsportal. Außen wirkt eine weithin sichtbare goldene, ornamenthafte Schmuckrosette. Im Inneren ergänzt ein vielfarbiger Lichtkörper den Raum. Getragen vom Gedanken der österlichen Erlösung entsteht er, je nach Witterung, Tages- und Jahreszeit, immer wieder neu.